Algenarten bestimmen: Grün, Braun, Blau und Rot
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Algen im Aquarium, für die meisten Anfänger der Feind Nummer eins. Aber bevor du die Algen bekämpfen kannst, musst du wissen, mit welcher Art du es zu tun hast. Denn jede Algenart hat andere Ursachen und braucht eine andere Behandlung. Hier ist dein Bestimmungsguide.
Braune Algen (Kieselalgen / Diatomeen)
Die häufigsten Algen in neuen Aquarien. Ein bräunlicher, weicher Belag auf Scheiben, Deko und langsam wachsenden Pflanzen.
Erkennung
- Brauner, staubiger Belag
- Lässt sich leicht mit dem Finger abwischen
- Tritt vor allem in neuen Becken auf (erste 2–4 Monate)
Ursache
Kieselalgen nutzen Silikat als Baustein. In frischem Leitungswasser ist oft viel Silikat enthalten. Außerdem profitieren sie von geringem Licht und einem noch nicht eingefahrenen Becken.
Lösung
- Abwarten: In den meisten Fällen verschwinden Kieselalgen von selbst, sobald das Becken eingefahren ist und die Pflanzen stärker wachsen.
- Otocinclus: Die besten Kieselalgen-Fresser, sie raspeln den braunen Belag gründlich ab.
- Schnecken: Geweihschnecken und Rennschnecken lieben Kieselalgen.
Grünalgen: 3 Erscheinungsformen unterscheiden
Grünalgen sind eine große Familie mit verschiedenen Erscheinungsformen:
Grüner Belag auf Scheiben
Ein dünner, grüner Film auf den Aquarienscheiben. Das ist die harmloseste Algenform und zeigt eigentlich gesundes Wasser an.
- Lösung: Regelmäßig mit Scheibenreiniger abwischen. Nicht schlimm, gehört dazu.
Fadenalgen
Lange, grüne Fäden, die an Pflanzen und Deko wachsen. Können in dichten Büscheln auftreten.
- Ursache: Zu viel Licht, Nährstoff-Ungleichgewicht (oft zu viel Eisen bei zu wenig CO2).
- Lösung: Beleuchtungsdauer reduzieren (max. 8 Stunden), manuell entfernen (auf eine Gabel aufwickeln), CO2 und Düngung ins Gleichgewicht bringen. Amano-Garnelen und Siamesische Rüsselbarben fressen Fadenalgen.
Grünes Wasser (Schwebealgen)
Das Wasser wird milchig-grün und trüb. Verursacht durch einzellige Algen, die frei im Wasser schweben.
- Ursache: Zu viel Licht und Nährstoffe, oft nach direkter Sonneneinstrahlung.
- Lösung: 3-Tage-Dunkelkur (Becken komplett abdunkeln, nicht füttern), UV-Klärer einsetzen. Großer Wasserwechsel danach.
Blaualgen (Cyanobakterien)
Technisch keine echten Algen, sondern Bakterien. Aber sie sehen aus wie Algen und verhalten sich wie Algen, nur schlimmer.
Erkennung
- Blaugrüner, schleimiger Belag auf Boden, Pflanzen und Deko
- Lassen sich in Platten abheben
- Stinken! Ein unangenehmer, modrig-muffiger Geruch ist das deutlichste Zeichen
- Wachsen extrem schnell, über Nacht können ganze Flächen bedeckt sein
Ursache
Blaualgen profitieren von:
- Stehenden Zonen ohne Strömung
- Nährstoffungleichgewicht (oft Nitrat-Mangel bei Phosphat-Überschuss)
- Altem, verdichtetem Bodengrund
Lösung
- Manuell so viel wie möglich absaugen (beim Wasserwechsel)
- Strömung in betroffenen Bereichen erhöhen
- 3-Tage-Dunkelkur kann helfen
- Bei hartnäckigen Fällen: Behandlung mit Wasserstoffperoxid (H₂O₂, 3 %), 1,5 ml pro 10 Liter, direkt auf die Blaualgen spritzen (mit Spritze)
Rotalgen: Pinsel- und Bartalgen am CO2-Mangel erkennen
Pinselalgen (Schwarze Pinselalgen / BBA)
Dunkle, büschelförmige Algen, die fest auf Pflanzenblättern, Steinen und Filterzuläufen sitzen. Sie sehen aus wie kleine schwarze Pinsel oder Bärte.
- Ursache: Schwankender oder zu niedriger CO2-Gehalt. Starke Strömung auf Oberflächen.
- Lösung: CO2-Versorgung stabilisieren und erhöhen. Betroffene Blätter abschneiden. Befallene Steine können außerhalb des Beckens mit verdünntem Wasserstoffperoxid behandelt werden. Siamesische Rüsselbarben fressen Pinselalgen.
Bartalgen
Ähnlich wie Pinselalgen, aber mit längeren, fließenderen Fäden. Sitzen ebenfalls fest und lassen sich kaum mechanisch entfernen.
- Ursache und Lösung: Wie bei Pinselalgen, CO2 ist der Schlüssel.
Wasserwerte und Ursachen: Welche Algenart bei welchen Werten?
Bevor du zur Chemiekeule greifst, miss die Wasserwerte. Ein JBL ProAquaTest Combi Set (rund 35 Euro) deckt Nitrat, Phosphat, KH, pH und Eisen ab, die fünf entscheidenden Parameter für die Algenbestimmung. Wer nur Teststreifen nutzt, liest Phosphat oft gar nicht ab und tappt im Dunkeln. Notiere die Werte einmal pro Woche in eine Tabelle, dann erkennst du Trends, bevor die Algen explodieren.
Die häufigste Anfängerfalle ist zu viel Licht bei zu wenig CO2. Pflanzen brauchen beides im Verhältnis. Eine LED mit 0,5 Watt pro Liter bei nur 10 mg/l CO2 produziert Algen statt Pflanzenwachstum. Reduziere die Beleuchtungsdauer auf 7-8 Stunden mit einer einstündigen Mittagspause und prüfe per Drop-Checker (Dennerle oder JBL), ob das CO2 stabil bei 20-30 mg/l liegt.
Algenart-Ursachen-Matrix für die Diagnose
| Algenart | Typischer Auslöser | Zielwert nach Behandlung |
|---|---|---|
| Kieselalgen (braun) | Hoher Silikatwert, neue Einrichtung | Silikat unter 1 mg/l, Becken über 8 Wochen alt |
| Grünbelag auf Scheiben | Normales Licht, gesunde Werte | Wöchentlicher Scheibenputz, keine Sorge |
| Fadenalgen | Eisen-Überschuss, schwankendes CO2 | Eisen 0,05-0,1 mg/l, CO2 stabil 20-30 mg/l |
| Schwebealgen (grünes Wasser) | Sonnenlicht, Nährstoffüberschuss | Tageslicht abschirmen, Nitrat unter 25 mg/l |
| Blaualgen | Nitrat-Mangel bei Phosphat-Überschuss | Nitrat 10-20 mg/l, Strömung in alle Ecken |
| Pinsel-/Bartalgen | CO2-Schwankungen, niedriges CO2 | CO2 konstant 25 mg/l, Drop-Checker hellgrün |
Die Tabelle zeigt: Jede Algenart hat einen spezifischen Auslöser. Wer pauschal mit Algenkillern (Easy-Life AlgExit, Sera Algovec) draufhaut, behandelt das Symptom, nicht die Ursache. Nach zwei Wochen sind die Algen meist zurück. Investiere lieber 30 Minuten in eine Wasseranalyse und passe gezielt einen Parameter an.
Algenfresser sind eine Unterstützung, kein Wundermittel. Amano-Garnelen (5-8 Stück pro 60 Liter) räumen Fadenalgen ab. Otocinclus (mindestens 5er-Gruppe ab 80 Liter) machen Kieselalgen platt. Siamesische Rüsselbarben (Crossocheilus oblongus, nicht der falsche Flying Fox) fressen sogar Pinselalgen. Ohne korrigierte Wasserwerte kommen die Algen aber wieder, die Tiere helfen nur beim Aufräumen, sie heilen das Becken nicht.
Praktische Checkliste für die Algen-Diagnose:
- ☐ JBL ProAquaTest Combi Set oder Tröpfchentests von Sera/Dennerle (keine Streifen)
- ☐ Nitrat 10-20 mg/l und Phosphat 0,5-1,5 mg/l messen
- ☐ Drop-Checker (CO2-Dauertest) hellgrün bei 25 mg/l CO2
- ☐ Beleuchtungsdauer 7-8 Stunden mit einstündiger Mittagspause
- ☐ Wöchentlicher Wasserwechsel 25-30 Prozent statt seltene Großwechsel
- ☐ Strömung an allen Ecken prüfen, keine toten Zonen
- ☐ Becken-Alter unter 8 Wochen: Geduld, nicht behandeln
- ☐ Algenfresser passend zur Algenart einsetzen (Otocinclus, Amano, Rüsselbarben)
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Veröffentlicht durch die Aquarium Anfänger-Redaktion. Veröffentlicht am 27. September 2026.
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